2100km in 8 Tagen oder: Ein Plädoyer fürs alleine reisen

 
Allein? Hat die Frau denn keinen Partner (nein, hat sie nicht) oder keine Freunde (hat sie, sogar die besten!)??
 
Warum dann alleine?
Ganz einfach: es gibt für eine Weile mal einfach nur mich. Es gibt nichts zu vereinbaren, nichts zu diskutieren, nichts zu besprechen – es gibt sogar überhaupt nichts zu reden. Es gibt niemanden der etwas von mir will oder braucht oder dessen Befindlichkeiten meine Aufmerksamkeit verlangen – außer meine eigenen. Keine Ablenkung von dem was es zu sehen gibt rund um mich. Ich stehe auf (oder nicht) wann ich will, esse (oder nicht) wann und was ich will, fahre los (oder nicht) wann und wohin ich will und geh schlafen wann ich will.
 
Und weil es Urlaub ist: Gibt. Es. Nichts. Zu. Tun. Und nichts zu müssen.
 
Ich müsste mir abends noch nichtmal einen Schlafplatz suchen, weil ich mein Bett im Auto habe. Aber da ich ein Mindestmaß an Komfort mag (das Alter 😉), suche ich mir halt einen Campingplatz oder ein Hostel das mir zusagt. Ansonsten gibts keine Verpflichtungen. Keinen Chef, keinen Haushalt, keine Katze. Das kommt dem Wort „Freiheit“ schon recht nahe…
Im Gegenzug lenkt mich aber auch niemand von meinen Gedanken, Gefühlen oder Befindlichkeiten ab… man lernt also zwangsläufig, gut mit sich selbst auszukommen (keine schlechte Lektion) und sich gut um sich zu kümmern.
 
Ich höre die Skeptiker:
„Da hab ich ja dann niemanden zum reden!!“ Ja und nein.
Ja, denn es ist tatsächlich keine vertraute Person immer um dich um mit dir zu quatschen. Aber es kann sehr gut sein, mal ein paar Tage einfach nichts zu reden – glaub mir.
Und Nein, denn wenn du nicht gerade in der Wüste oder einer ähnlich menschenleeren Gegend unterwegs bist, triffst du zwangsläufig andere Menschen. Die meisten davon freuen sich über ein Lächeln und ein nettes Gespräch. Und falls es doch ein vertrauter Mensch sein soll: Telefon, Skype, WhatsApp… – in diesen Zeiten ist auch das echt kein Problem.
 
„Aber dann hab ich ja niemanden der mir hilft wenn ich ein Problem hab/Hilfe brauche.“
Wirklich? Wie oft wurde Dir tatsächlich Hilfe von jemandem verweigert wenn du darum gebeten hast? Mir wurde bisher wirklich immer geholfen – egal von wem. Die Menschen da draußen sind besser als viele glauben. Und es ist eine unschätzbare Erfahrung, dass es nicht eine bestimmte Person braucht um Hilfe zu bekommen.
Im Zweifel ist es natürlich auch eine wertvolle Lektion, seine Probleme mal eine Weile selbst zu lösen.
 
„Ist man da nie einsam?“
Doch, kann passieren. Ich bin manchmal einsam. Aber das kann mir auch daheim auf der Couch passieren. Und wenn ich mal eine Weile einsam bin – was soll’s? Solange es mir damit nicht wirklich schlecht geht (und das war nie der Fall bisher), kann man das durchaus auch einfach mal aushalten. Ansonsten siehe oben – Fremde ansprechen oder die beste Freundin anrufen kann durchaus helfen 😊
 
„Ich muss dann alles alleine machen.“
Jep. Keiner fährt dein Auto für dich wenn du müde bist. Keiner kauft für dich was zu essen wenn du Hunger hast. Keiner sucht den schönsten Campingplatz für dich raus und keiner checkt, wann der letzte Bus aus der Stadt fährt.
Aber es meckert dich eben auch keiner an, weil du irgendwas davon nicht „richtig“ gemacht hast. Du lernst sehr schnell, dich um dich selbst zu kümmern. Und, wenn du sowas öfter machst, kann dich bald so schnell nix mehr verunsichern. Wer allein durch den Urlaub kommt, der findet auch im Alltag für fast alles eine Lösung 😉
 
„Und was wenn was passiert??“
Du meinst weil mein Auto 17 Jahre alt ist und bald mehr Rost als Blech hat? Oder weil ich als Frau allein durch fremde Städte laufe?
Hm. Es könnte was passieren. Könnte aber auch nicht. Ich kann meinen Hausverstand einschalten, gewisse Vorkehrungen treffen und ansonsten halt ich mich an folgendes Zitat: „Hast du gar keine Angst?“ – „Würde das denn etwas nützen?“
 
„Ich würde ja schon gern auch mal…. Aber ich hab doch kein passendes Auto/kein Geld/keine Zeit für sowas.“
Wirklich?
Kein Auto? – Zug, Bus, Flugzeug, Fahrrad,…
Kein Geld? – Oder doch zu hohe Ansprüche? 😉 es gibt IMMER was, das möglich ist…
Keine Zeit? – 1. Chef um Urlaub bitten, 2. Prioritäten setzen – fertig. Ja, auch für Kinder, Freunde, Katzen oder sonstiges Getier findet sich eine Lösung.
Es muss ja nicht immer gleich der wochenlange roadtrip sein.
 
Fang klein an wenn du unsicher bist – aber fang an. Es lohnt sich!!! Und ja, wenn mir jemand vor drei Jahren erzählt hätte, dass ich das alleine reisen genieße, hätte ich auch bloß laut gelacht. Und nein, man wird davon nicht unsozial 😉 – in zwei Wochen verreise ich wieder, zusammen mit drei tollen Frauen! Und darauf freu ich mich genau so wie auf die Zeit die ich jetzt für mich allein hatte.

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