Wie viel Schaden richte ich an?

…frage ich mich seit einiger Zeit. Und zwar durch mein ganz alltägliches Leben. Ich meine damit nicht Parkschäden (haha) oder Schäden an der Stimmung meiner Freunde wenn ich grantig bin (hahaha). Es geht um die Schäden die ich der Umwelt zufüge wenn ich einkaufen gehe, mich dusche, esse, trinke, verreise und und und.

Vor allem mein Besuch auf Bali letztes Jahr hat mich auf Plastikmüll aufmerksam gemacht. Dort hab ich wunderschöne Orte besucht an denen die Instagram-Fotografen scharenweise ihre Selfies aufgenommen haben – um drei Schritte weiter ihre leeren Wasserflaschen einfach in die Botanik zu werfen. Bali hat keine Müllentsorgung. Will man den Müll loswerden, wird er verbrannt oder anderwertig „entsorgt“. Ich hatte mir für den Urlaub vorgenommen, kein einziges Stückchen Plastik auf Bali zurück zu lassen und das habe ich auch genau so durchgezogen.

Schwieriger finde ich es aber wieder daheim im Alltag. Ich bin eher Spontan-Einkäuferin. Hab ich Hunger, Appetit oder Zeit gehe ich in den nächsten Supermarkt und kaufe was mir beliebt. So habe ich auch nie auf die Verpackung von Lebensmitteln geachtet. Ja, manchmal dachte ich mir schon „Muss das echt sein?“ wenn zum Beispiel Süßigkeiten in mehreren Schichten Plastik verpackt waren. Aber ansonsten… Der gelbe Sack (weil wir trennen den Müll ja so brav…) war stets gut gefüllt. In meinem Badezimmer waren x verschiedene Flaschen mit Shampoo und Duschgel in den verschiedensten Duftrichtungen aufgereiht. Gesichtsmasken und Cremes für und gegen quasi alles, Stylingprodukte, Schminkutensilien, Putzmittel für alle Eventualitäten. Es gab auch den obligatorischen „Tütenschrank“, in dem sich zahllose Einkaufstüten aus Plastik türmten.

Nachdem ich beschlossen hatte, dem Plastik den Kampf anzusagen, musste ich feststellen, dass das teilweise wirklich nicht so leicht ist wie ich dachte. Spontan Schlagobers im Glas kaufen? Vergiss es! Unterwegs Durst und auf der Tankstelle etwas zu trinken ohne Plastikverpackung kaufen? Nope. Klopapier ohne Plastikverpackung? Kannst du dir nicht leisten.

Ich habe also recherchiert, gegoogelt und mich mit dem Thema beschäftigt. Ausprobiert, getestet, in Frage gestellt. Und siehe da – es ging einiges!!! Und zwar ohne auf etwas zu verzichten.

Am Schwierigsten finde ich weiterhin das Thema Lebensmittel. Einfach ist es noch bei Nudeln (in Pappschachtel in größeren Supermärkten), Milch (fast überall in Glasflaschen) und bei Müsli und Reis (kauf ich auf Vorrat im Biomarkt zum Abfüllen). Aber was wenn ich – wie oben geschrieben – abends spontan was mit Sahne kochen will. Sahne im Glas gibts nur im Biomarkt, der ist 25min entfernt und schließt um 18:30 Uhr. An vielen Arbeitstagen hab ich da keine Chance. Und die Fahrt nur wegen einem Glas Sahne? Es braucht also wirklich viel und disziplinierte Planung und auch die Bereitschaft, den Extraaufwand zu betreiben. Schlaue Bevorratung tut Not um einerseits möglichst alles zu Hause zu haben und andererseits nicht doch wieder auf Plastik auszuweichen. Dabei tu ich mir weiterhin schwer. Immer wieder landen eben doch Plastikverpackungen im Einkaufswagen, was sich ganz und gar nicht gut anfühlt. Außerdem ist manches Augenwischerei: Ja ich kann mir in einigen Supermärkten mittlerweile meine Wurst und meinen Käse in die eigens mitgebrachte Tupperbox legen lassen (Super Sache, keine Frage!). Dass aber die noch unaufgeschnittene Ware in mehrere Schichten Plastik eingepackt war, lässt sich immer noch nicht vermeiden.

Auch bei Kleidung bin ich noch nicht wirklich weiter. Nachhaltige Schuhe kosten ein Vermögen (ich bins tatsächlich gewöhnt mir 1x im Jahr ein paar Schuhe um 30 EUR zu kaufen – ich hab null Faible für Schuhe…). Kleidung wenn sie wirklich fair und nachhaltig sein soll ebenfalls. Da muss ich wirklich noch sehr an meiner inneren „Sparefroh-Einstellung“ arbeiten, nach der diese Dinge einfach nix kosten sollen. Ich sehe das aber als langfristiges Projekt, da kann und will ich nicht von heute auf morgen alles anders machen. Könnte ich mir auch gar nicht leisten, bei den anderen Plänen die ich noch so habe 😉
Oh und die Katze… Die Katze frisst das Futter aus den 400-Gramm-Dosen nicht. Die wären für mich noch das geringste Übel an Verpackung – aber keine Chance. Das Futter aus dem Glas sprengt preislich wirklich alle Grenzen und über BARF trau ich mich nicht derzeit.

Aber jetzt mal zu den Punkten, die ich verbessert habe, denn das ist eine ganze Menge! Der Mülleimer im Bad ist beinahe unbenutzt mittlerweile und Plastikmüll beinhaltet wenn dann eigentlich Katzenfutterbeutel, Fleischverpackungen (selten) und die „Sünden“ wie Schlagobers-Becher.

Was hat sich im Bad verändert?
Duschgel und Flüssigseife -> Feste Seife in Papierverpackung (mit Seifensäckchen auch nicht glitschig)
Shampoo -> Festes Shampoo selbst gemacht oder in Pappschachtel
Bodylotion -> selbst gemachte Körperbutter, Sheasahne oder ein sehr gutes Öl
Zahnpasta -> Zahntabs (bin nicht begeistert) oder Zahnpasta im Glas (wird demnächst getestet)
Wattestäbchen -> aus Bambus/Pappe
Zahnbürste -> Bambusbürste bzw. meine alte elektrische Zahnbürste
Gesichtscreme -> Gesichtsöl in der Glasflasche (meine Haut ist begeistert!)
Gesichtsreinigung -> spezielle Gesichtsseife
Deo -> Deocreme im Glas oder Deostick in Pappschachtel
Plastikrasierer -> Rasierhobel (GENIAL!! für wirklich alle Stellen 😉
Monatshygiene -> waschbare Slipeinlagen, Menstruationstasse (beides supergenial)
Klopapier -> Großpackung in Karton verpackt online bestellt
Taschentücher -> Großpackung in Papier verpackt online bestellt und in Stofftaschen zum mitnehmen umgefüllt
Handcreme -> selbst gemacht oder im Glas online bestellt oder in der Alutube
Waschmittel -> Öko-Waschmittel zum nachfüllen in Mehrwegflasche, kein Weichspüler mehr
Spülmittel -> zum nachfüllen in Mehrwegflasche
Putzmittel -> aus Tabs (in Pappe verpackt) mit Wasser oder selbst gemacht aus Hausmitteln
Spülschwamm -> Holzbürste und Lappen aus Naturmaterialien
Make-up -> ich schminke mich kaum noch und komme so mit sehr wenigen Sachen eeeeewig aus

Fazit: Ich bin sehr zufrieden mit der Situation im Bad! Mir fehlt gar nichts, alles was ich weglasse hab ich in Wahrheit nie gebraucht.

Was hat sich in der Küche verändert?
Obst und Gemüse -> Biokiste liefert plastikfrei alle 14 Tage, sonst unverpackt in mittlerweile mehreren Supermärkten – aber leider nicht das gesamte Sortiment
Frischkäse -> von der Familie meines Freundes in Mehrwegverpackungen
Saft -> in Glasflaschen ebenfalls von der Familie meines Freundes
Milch/Joghurt/Quark/Sauerrahm/Sahne -> in Mehrweg-Glasflaschen im Biomarkt
Wurst und Käse -> in eigene Tupperbox plus beschichtetes Papier (leider)
Müsli/Reis/Hülsenfrüchte/Nüsse/etc. -> zum abfüllen im Biomarkt oder unverpackt-Laden
Nudeln -> in Pappschachtel im Supermarkt
Küchenrolle -> braucht kein Mensch
Alu-/Frischhaltefolie/Backpapier -> Bienenwachstücher, Mehrzweckpapier
Fleisch -> gibts teilweise schon in plastiksparender Verpackung (dünne Folie statt Plastikschale) oder in selbst mitgebrachte Tupperdose
Butter -> in Papier verpackt im Biomarkt

Generell hilft in der Küche vor allem upcycling (Einfrieren in bereits vorhandenen Glasbehältern zb.), selber machen (Toastbrot zb.) und planen, planen, planen. Hier bin ich noch nicht wirklich zufrieden gebe ich zu. Vor allem Glasverpackungen haben ja wieder den Beigeschmack des höheren CO2-Ausstoßes, Mehrwegglas ist noch nicht sehr verbreitet. Ich versuche einfach so oft wie möglich, das kleinste Übel zu wählen.

Was hat sich unterwegs verändert?
Getränke -> Flasche zum Wiederbefüllen (geht hier ja an jedem Wasserhahn)
Einkaufstüte -> Einkaufstasche ständig in meinem Rucksack, keine Tüten mehr notwendig
Strohhalme -> bei der Bestellung gleich dazu sagen dass man keinen möchte

Auch hier bin ich gefühlt noch nicht sehr weit. Auch wenn zb. der Verzicht auf Getränkeflaschen aus Plastik wirklich viel ausmacht. Kleiner Nachteil ist auch hier das nötige Planen. Wehe du vergisst deine Flasche zu Hause…

Wenn ich mir durchlese was ich in relativ kurzer Zeit alles verändert habe und mir bewusst mache, wie viel weniger an Müll ich nun produziere – dann bin ich schon ganz schön stolz 🙂
Ja, es gibt noch jede Menge Verbesserungspotential und da bleibe ich auf jeden Fall dran. Aber der Anfang ist schon mal gar nicht so schlecht!
Ich kann euch nur ermutigen: Fangt auch an! Lest euch ein, schaut euch beim einkaufen um und verändert Stück für Stück eure Gewohnheiten wenn es für euch stimmig ist. Jedes Teil das ihr in euren Einkaufswagen legt, ist eine Entscheidung.

Ich mag den Spruch: Wir brauchen nicht wenige Menschen die es perfekt machen, sondern viele Menschen, die tun was sie können.
Und ich mag das Gefühl, dass der Schaden den ich anrichte, ein bisschen kleiner geworden ist.

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